Buchempfehlung


Der Seestern und die Spinne
Die beständige Stärke einer kopflosen Organisation
Von Ori Brafman, Rod A. Beckström
Wiley-VCH © 2007
192 Seiten
Take-aways
- Eine offene Organisation ähnelt einem Seestern: Wenn man ihn teilt, stirbt er nicht, und abgetrennte Gliedmassen wachsen nach.
- Die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist das Musterbeispiel einer solchen Organisation.
- Kein Organ einer Seestern-Organisation ist überlebensnotwendig.
- Die Tatsache, dass kein zentrales Nervensystem erkennbar ist, bedeutet nicht, dass es sich um einen harmlosen Organismus handelt.
- Im Fall eines Angriffs tendieren offene und dezentralisierte Systeme dazu, noch offener und dezentralisierter zu werden.
- Ein historisches Beispiel sind die Apachen: Die spanischen Eroberer scheiterten bei dem Versuch, sie ebenso wie zuvor die Azteken oder Inkas zu unterwerfen.
- Ein Beispiel aus jüngerer Zeit: Die Plattenindustrie beisst sich am offenen System der Musiktauschbörsen die Zähne aus.
- Ein Seestern-System hat keinen Chef oder Besitzer, braucht aber einen “Katalysator”, der die Sache in Gang setzt.
- Eine hybride Organisation ist das Online-Auktionshaus eBay: Es ist ein kommerzieller Erfolg für die Betreiber, und doch liegt die wahre Macht bei den Mitgliedern.
- Um eine Seestern-Organisation zu bekämpfen, können Sie versuchen, deren Ideologie zu ändern, ihr einen eigenen Seestern entgegenzusetzen oder den Konkurrenten zur Zentralisierung zu zwingen.
Empfehlung
Dies ist kein Buch über Zoologie, wie der Titel nahelegen könnte, sondern eines über Organisationen. Konkret geht es um den Gegensatz zwischen zentralen, geschlossenen und dezentralen, offenen Organisationen. Wer verstehen will, weshalb Toyota General Motors abgehängt hat, für den ist dieses Buch die richtige Wahl. Die beiden Autoren zeigen Verknüpfungen in unserer “wikifizierten” Welt auf (Wikipedia ist eines ihrer Paradebeispiele), die kaum jemand zuvor wahrgenommen, geschweige denn zu einer Theorie komprimiert hat. Spannend und lehrreich aufbereitete Beispiele aus der weiter zurückliegenden Geschichte gehen Hand in Hand mit solchen jüngeren Datums. Wenn man unbedingt ein Haar in der Suppe finden will, kann man höchstens einwenden, dass man sich wünscht, das Buch wäre noch etwas länger – die knapp 200 Seiten sind viel zu schnell ausgelesen.
Rating (bester Wert 10)
| Gesamt-Rating | 9 |
| Umsetzbarkeit | 8 |
| Innovationsgrad | 9 |
| Stil | 9 |

Re-imagine!
Spitzenleistungen in chaotischen Zeiten
Von Tom Peters
Gabal © 2007
352 Seiten
Take-aways
- In der neuen Wirtschaft zählen nicht Grösse und Stabilität, sondern Agilität, Talent und Leidenschaft.
- Unternehmen müssen Hierarchie- und Abteilungsdenken verlernen, um wirklich innovativ zu sein.
- In Unternehmen vom neuen Schlag haben Projektmanager das Sagen. Weder die Arbeitsplätze noch das Unternehmen selbst sind für die Ewigkeit gemacht.
- Im Extremfall existiert das Unternehmen dank moderner Kommunikationstechnologie nur virtuell, als über die Welt verstreutes Netzwerk.
- Neue Unternehmen brauchen die besten Mitarbeiter: kreative, schräge, unkonventionelle Köpfe, in möglichst grosser Vielfalt.
- Die grössten Märkte werden noch immer ignoriert: Frauen und ältere Menschen. Dabei bergen sie ein milliardenschweres Potenzial.
- Das neue Unternehmen bietet seinen Kunden Lösungen und Service statt Produkte.
- In ihm spricht jeder mit jedem. Alle Informationen sind für jeden zu-gänglich, und alle Mitarbeiter bauen bei ihrer Tätigkeit aufeinander auf.
- Jedes neue Projekt verfolgt höhere Ziele. Risikobereitschaft wird belohnt, auch bei Misserfolg.
- Design durchdringt alles: Äusserlich sorgt es dafür, dass Ihre Kunden Sie lieben. Innerlich verschönert es das System und bringt es zum Funktionieren.
Empfehlung
Der neue Tom Peters kommt grossformatig und schrill daher, in einem Layout, das eher an eine Avantgarde-Zeitschrift denn an einen Businessratgeber erinnert. Aufdringliche Kreativität, die Amok läuft. Ständig hat man das Gefühl, der Autor schreie einen an, und es ist nicht auszuschliessen, dass er das am liebsten tatsächlich täte: Fettschrift und Ausrufezeichen, wohin man schaut. Vielleicht um zu kaschieren, dass dem Vielschreiber und Business-Guru, der sich in zahlreichen Denkerposen ablichten lässt, nichts Weltbewegendes mehr einfällt? Oder doch darum, weil sein ungestümes Vorpreschen die einzige Möglichkeit ist, selbstzufriedene Manager wachzurütteln? Peters will zeigen, dass der Weg zur Spitzenleistung über die Zerstörung hinderlicher Strukturen und Arbeitsweisen führt. Der Neuheitswahn kann nerven, aber zugegeben: Der Mann liefert zahlreiche gute Argumente.
Rating (bester Wert 10)
| Gesamt-Rating | 7 |
| Umsetzbarkeit | 7 |
| Innovationsgrad | 7 |
| Stil | 7 |


