header_pic

Werbefenster: Westschweizer Kabelnetze wollen mehr Geld von M6  [08/02/2010]

Heisse Verhandlungen um höhere Einspeisgebühren.

Am 12. Januar hat das Bundesgericht zwar das Werbefenster des französischen TV-Senders M6 für legal erklärt, für die Westschweizer Kabelnetze besteht aber keine Verpflichtung, das entsprechende Signal aufzuschalten. Das brachte nun die Netzbetreiber, allen voran Citycâble in Lausanne (75000 angeschlossene Haushalte) und Naxoo in Genf (150 000 Haushalte) in eine stärkere Position. Entsprechend selbstbewusst treten sie auf.

"Derzeit diskutieren wir mit M6 darüber, was aus dem Werbefenster werden soll: Entweder es resultiert ein neuer Vertrag, der der aktuellen Situation Rechnung trägt, oder aber es folgt ein definitiver Verbreitungsstopp in Genf", hält etwa Naxoo-Marketingleiter Benjamin Weill fest. Naxoo hatte ursprünglich angekündigt, das M6-Werbefenster per 31. Januar aus dem Netz zu kippen. Zu Gunsten der Gespräche mit M6 habe man aber vorerst von einem Unterbruch abgesehen, sagt Weill. Anders in Lausanne: Dort hat Citycâble die Verbreitung des Werbefensters bereits Anfang Januar eingestellt (persoenlich.com berichtete) und bisher nicht wieder aufgenommen. "Wir richten uns in erster Linie nach den Interessen der Stadt und ihrer Einwohner und berücksichtigen bei unseren nächsten Entscheiden kulturelle, politische, rechtliche und ökonomische Kriterien", schreibt Jean-Yves Pidoux, Verwaltungsratspräsident von Citycâble und Stadtrat von Lausanne.

Worum es genau geht, ist allerdings von offizieller Seite nicht zu erfahren. Klar ist aber: Angesichts des in den letzten Jahren stark gestiegenen Werbeaufkommens beim M6-Werbefenster verlangen die Kabelnetzbetreiber nun höhere Einspeisgebühren. Verhandlungspartnerin in dieser Sache ist die IP Multimedia, die das Werbefenster vermarktet. Gemäss Brancheninsidern bezahlte diese bisher den beiden Kabelnetzen 60 Rappen pro angeschlossenem Haushalt und Jahr. Naxoo erhielt somit jährlich rund 90 000 Franken, Citycâble etwa 45 000 Franken. Dem Vernehmen nach verlangt Naxoo nun das Fünffache. Bei IP Multimedia wollte man dies nicht kommentieren.

In Lausanne hingegen geht es nicht nur ums Geld. Dort erwägt man offenbar, sich in den Dienst des Service Public der SRG zu stellen, das Westschweizer Fernsehens TSR vor Konkurrenz zu schützen (politische Aspekte) und beiden umgekehrt mehr Geld für das Schweizerische Filmschaffen abzuringen (kulturelle Aspekte). Für die IP Multimedia sind das heikle Verhandlungen. Denn wenn sie den beiden Netzen jetzt finanzielle Zugeständnisse macht, steigt auch andernorts die Lust nach mehr Geld, allen voran bei der Cablecom, die weitere 235 000 Westschweizer Haushalte versorgt. Mit ihr steht ebenfalls eine Vertragserneuerung an, allerdings erst auf Ende Jahr.

Umgekehrt lobbyiert offenbar auch die TSR hinten den Kulissen. Nach der Niederlage gegen M6 vor Bundesgericht ist ihre Position zwar geschwächt, zu hören ist aber, dass sie weiterhin versucht, die Kabelnetze von einer Verbreitung des M6-Werbefensters abzubringen ? angeblich indem sie ihnen vergünstigten Werberaum anbietet. (Text: Markus Knöpfli)

Quelle: persoenlich.com | Weitere Marketing News