Mammut gewinnt den GfM-Preis 2009 [28/10/2009]
Viel Prominenz gestern Abend im Zürcher Nobelhotel The Dolder Grand. Ulrich H. Moser, Präsident GfM, Schweizerische Gesellschaft für Marketing, konnte Rolf H. Schmid, CEO des Bergsportausrüsters Mammut, den diesjährigen GfM-Marketingpreis überreichen. Schmid zeigte sich über diese Auszeichnung sehr erfreut. Mammut ist es gelungen, sich in den letzen Jahren als eigentliches Kultlabel zu etablieren. Die Firma ist im aargauischen Seon beheimatet. "persoenlich.com" hat sich mit Mammut-CEO Rolf H. Schmid über den diesjährigen GfM-Marketingpreis unterhalten. Zum Interview:
Herr Schmid, was bedeutet Ihnen der GfM-Preis?
- Wir freuen uns sehr über diesen Preis, da er der Marketingpreis schlechthin ist. Die Mammut Sports Group fühlt sich über diese bedeutende und grosse Auszeichnung sehr geehrt. Die Auszeichnung kam für uns eigentlich sehr überraschend, ist aber auch ein Indiz, dass wir in der Vergangenheit nicht alles falsch gemacht haben.
Ihre Bergsportmarke ist für ihre extravaganten Kampagnen bekannt. Ich denke dabei an
die 80-jährige Werbefigur Mary Woodbridge mit ihren Everest-Ambitionen, welche durch
aufwendige Bergaufnahmen abgelöst wurde. Welche Marketingphilosophie verfolgen Sie?
- Wir haben in den letzten zehn Jahren bewusst versucht, andere Wege zu gehen als unsere Mitbewerber. Bei der Mary-Woodbridge-Kampagne, die Sie ansprechen, war am Anfang gar nicht ersichtlich, dass wir dahinterstecken. Die Idee, wonach eine 80-jährige Dame den Mount Everest besteigen will, wurde sofort von den Medien aufgenommen und weiterverbreitet.
Die richtigen Bergsteiger fühlten sich dadurch
veräppelt ?
- Natürlich haben dies nicht alle lustig gefunden. Trotzdem erreichte unsere Marke durch diese Kampagne eine grosse Bekanntheit auch ausserhalb der Bergsteigerkreise. Wir sind von einer starken Konkurrenz umgeben, welche zum Teil viel mehr Geld in das Marketing investieren kann als wir. Wir
versuchen uns durch Andersartigkeit abzugrenzen. Während sich die meisten unserer
Mitbewerber mit typischen Bergsteigerbildern in Special-Interest-Magazinen präsentieren, suchen wir neue Wege. In einer unserer Kampagnen haben wir eine Nebelwand abgebildet, darunter ein kleiner Schatten mit der Überschrift: "Neu". Um zu erkennen, worum es ging, musste man die nachfolgende
Aussage lesen: "Für jedes Wetter die passende Ausrüstung bereithalten".
Ihre aktuelle Kampagne unterscheidet sich jedoch kaum von denjenigen Ihrer Konkurrenten.
- Das stimmt nur in Bezug auf die Tatsache, dass wir jetzt auch Bergmotive verwenden. Aber die Bilder überraschen dennoch, indem wir jeweils eine grosse Ansammlung von Menschen in der freien Natur zeigen, welche unsere Produkte testen. Obwohl es aussieht wie eine Fotomontage, handelte es
sich immer um reale Begegnungen. Wir haben zu diesen Shootings jeweils zwischen 50 und 250 Kunden eingeladen. Beim aktuellen Snow Shooting haben sich über 2500 Personen angemeldet, wovon jedoch nur circa 200 dabei sein können.
Wollen Sie mit Mammut die Extrembergsteiger ansprechen oder sämtliche Interessierte?
- Zwar ist der Alpinsport nach wie vor unser Aushängeschild, trotzdem möchten wir auch die breiteren Schichten ansprechen, also auch jene, die lieber auf 1000-Meter-Bergwanderungen wollen oder lieber in die Kletterhalle gehen. Auch eine Autofirma stellt vorzugsweise ihre Rennwagen in den Vordergrund. Obwohl zahlreiche kleine Spezialisten existieren, gelten wir als die glaubwürdigste Firma im Bereich des Bergsports.
Kritiker bemängeln, dass eine Mammut-Ausrüstung auch den Berguntauglichen das Gefühl gäbe, ein besserer Bergsteiger zu sein. Das birgt doch ein gewisses Risiko.
- Mit ihren Produkten Seile, Gurte, isolierende Bekleidung etc. verkauft Mammut Bergsport-Sicherheit. Die Aussage unserer Mary-Woodbridge-Kampagne lautet denn auch: "Trotz guter Ausrüstung soll man sich
nicht zu sicher fühlen." Es besteht auch bei einer guten Ausrüstung immer noch ein gewisses Restrisiko. Das Gleiche gilt aber auch für Fahrräder oder Autos.
Inwiefern spielt die Prävention für Mammut eine Rolle?
- Prävention ist sehr wichtig. Auf unserer Website erklären wir zum Beispiel, wie man sich als Bergsportler richtig verhalten soll und wie man unsere Produkte korrekt anwendet. In unserer Alpin-Schule begleiten wir die Leute in die Natur, um die Produkte zu testen und zu sehen, wie
man sich bei einem allfälligen Lawinenniedergang verhält.
Themenwechsel: Inwiefern spürt Mammut die Wirtschaftskrise?
- Momentan sind wir noch krisenresistent. In den ersten acht Monaten konnten wir ein Wachstum von 15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen.
Das kann praktisch keine Schweizer Firma von sich behaupten.
- Wir können nicht klagen. Aber ich hege gewisse Bedenken, was die Zukunft angeht. Wenn sich die Zinslandschaft verändert, die Arbeitslosigkeit weiter zunimmt und die Konsumenten über weniger Geld verfügen, könnte sich das Blatt bald wenden.
Trotz allen euphorischen Zwischenmeldungen beurteilen Sie die Gesamtwirtschaftslage eher
negativ?
- Ja, denn ich glaube, dass sich der negative Aspekt für den Konsumenten erst später bemerkbar
macht. Einerseits werden in nächster Zeit noch mehr Menschen ihre Stelle verlieren, und den anderen geht es sicherlich schlechter als letztes Jahr. Auch 2010 werden die Preise kaum sinken und die Krankenkassenprämien weiter ansteigen. Somit wird das Leben teurer, wodurch die Leute noch
mehr zum Sparen gezwungen werden. Diese Entwicklung könnte auch Mammut treffen. Dennoch werden wir wohl keine grossen Verluste hinnehmen müssen.
(Interview: Matthias Ackeret. Das gesamte Gespräch ist in der Oktoberausgabe von "persönlich" nachzulesen).
Quelle: persoenlich.com | Weitere Marketing News


